Beim Anschauen der ersten zwei, drei Folgen von “Sons of Anarchy” kommt schon die Frage auf, wieso man seine Zeit ausgerechnet mit diesem Haufen rassistischer, chauvinistischer Verbrecher verbringen sollte. Das “Sons of Anarchy” es trotzdem schafft, die Zuschauer bei der Stange zu halten, spricht für die Qualität dieser Serie. Seit mittlerweile fünf Staffeln läuft “Sons of Anarchy” mit großem Erfolg in den USA und endlich kommt die erste Staffel auch ins deutschen Fernsehen. Sons_of_Anarchy_Circle“Sons of Anarchy Motorcycle Club Redwood Original”, kurz SAMCRO oder auch Sam Crow, heißt die Motorradgang, die die kalifornische Kleinstadt mit dem schicken Namen “Charming” voll im Griff hat. Offiziell betreiben die Biker eine Autowerkstatt, in Wirklichkeit verdienen sie ihr Geld mit Waffenhandel und der Produktion von Pornos.

Vizepräsident des Clubs ist Jackson “Jax” Teller (Charlie Hunnam), der Sohn von Gemma (Katey Sagal), die mit dem Anführer Clay (Ron Perlman) verheiratet ist. Als Jax ein Tagebuch seines lange verstorbenen Vaters entdeckt und herausfindet, dass der bei der Gründung des Clubs die “Sons of Anarchy” ursprünglich eher als Hippie-Kommune denn als kriminelles Unternehmen im Sinn hatte, beginnt Jax, seinen Lebensstil als Outlaw in Frage zu stellen.

Es heißt, das Serienerfinder Kurt Sutter “Sons of Anarchy” als eine Art modernes Hamlet geschrieben hätte. Von Sutter, der in der Serie den “Otto” spielt, wird das verneint. Aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass “Sons of Anarchy” eine klassische Geschichte um Macht, Misstrauen, Verrat und Loyalität ist.

Der Begründer von SAMCRO wurde von seinem Freund Clay getötet, der daraufhin die Witwe heiratet, selbst zum König wird und das Reich nach seinen skrupellosen Methoden führt. Der junge, hübsche Prinz Jax stellt den Führungsstil und die Entscheidungen seines Ziehvaters und seiner Mutter in Frage, seine Auserwählte will sich nicht den Zwängen des Hofes beugen, sondern lieber weit weg ein freies und selbstbestimmtes Leben führen. Es gibt den treuen, aber bösartigen Vertrauten des Königs, Tig (Kim Coates) und die Vasallen, die bei den Besprechungen des Clubs um den Tisch mit dem riesigen eingeschnitzten “Sons of Anarchy”- Emblem sitzen wie die Ritter der Tafelrunde.

In Charming geht es alles andere als bezaubernd zu, sondern dreckig, rau und äußerst brutal. Mit den “Sons” sorgen die Outlaws für ihre Art von Recht und Ordnung, die Polizei ist korrupt, dazu kommen Auseinandersetzungen mit anderen Banden.

Sons_of_Anarchy_Cast

Gehören alle hinter Gitter

Geschichten über die Ränkespiele und Intrigen aus den Schaltzentralen der Macht üben immer eine Faszination aus. In “Sons of Anarchy” befindet sich diese Schaltzentrale statt in einer mittelalterlichen Burg in einer Werkstatt in einem kalifornischen Kaff, die Ritter reiten auf Harleys statt auf Pferden und liefern sich ihre Schlachten mit den anderen Gangs statt mit den Soldaten anderer Königreiche.

Es ist nicht ganz einfach, Zugang zu der Serie zu bekommen. Die Atmosphäre ist oft deprimierend, die nicht unbedingt sympathischen Charaktere haben ihre Ecken und Kanten, das Milieu ist sehr speziell. Das sind aber auch die Dinge, die für die Serie sprechen, die düstere Atmosphäre, Charaktere mit dunklen Seiten und ein relativ unverbrauchtes Milieu.

Dazu der innere Konflikt der Hauptperson und die Frage, ob Jax wirklich den Mut hat, SAMCRO zu verändern.

Mit hohem Tempo wird spannend eine gut durchdachte Geschichte erzählt.

“Sons of Anarchy” läuft ab dem 6. November 2012 in Doppelfolgen immer dienstags ab 22:30 Uhr auf kabel 1.

Update: Ab dem 19. März 2013 zeigt kabel 1 die zweite Staffel.

 

Fotos © FX Networks

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