Glamouröser Gauner und biederer FBI-Mann kollaborieren – ganz neu ist die Idee nicht, aber im Falle von “White Collar” kommt eine charmante Serie dabei heraus, die vor allem von den Charakteren lebt.

Peter Burke arbeitet beim FBI in der Abteilung für “White Collar Crimes”, den Verbrechen, die von den Menschen mit den weißen Hemdkragen begangen werden. Sprich: Wirtschaftskriminalität. Jahrelang hat er den smarten Kunstfälscher Neal Caffrey gejagt, bis er ihn für vier Jahre hinter Gitter gebracht hat. Kurz vor Ende seiner Haftstrafe bricht Neal aus dem Gefängnis aus. Seine Freundin Kate ist verschwunden und Peter findet ihn in der leeren Wohnung, die Neal gemeinsam mit Kate bewohnt hat. Bevor Neal wieder vier Jahre absitzen muss, schlägt er Peter einen Deal vor: Ein Leben mit Fußfessel in eingeschränkter Freiheit, dafür Unterstützung mit Insiderwissen bei der Aufklärung von Fällen. Peter lässt sich darauf ein und eine außergewöhnliche Partnerschaft beginnt.

Die macht das Herzstück von “White Collar” aus. Neal Caffrey (Matt Bomer) sieht aus wie ein Filmstar, ist charmant, kreativ und weltgewandt – das alles geht Peter Burke (Tim DeKay) völlig ab. Dafür hat er eine Frau, einen Hund und einen Job, die er liebt – das ist alles für Neal völlig außer Reichweite. Peter wurde mit seiner Frau Elizabeth (Tiffani Thiessen) eine selbständige, unabhängige Partnerin zur Seite gestellt und kein vernachlässigtes Anhängsel, das dem Gatten ständig wegen der vielen Überstunden in den Ohren liegt.

Wo Neal impulsiv ist und ständig seine Grenzen austestet, ist Peter methodisch und vorsichtig. Immer wieder bringt es Peter auf die Palme, wenn es Neal mit entwaffnendem Charme gelingt, sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen, während Peter sich alles hart erarbeiten muss. Das ergibt viel Stoff für gegenseitige Sticheleien und witzige Dialoge. Zum Glück erliegen die Drehbuchautoren nie der Versuchung, den FBI-Mann ins Trottelige abrutschen zu lassen. Der Dynamik des Duos tut es außerordentlich gut, dass sich Neal und Peter konstant auf Augenhöhe begegnen. Beide sind in ihrem Fach richtig gut und so unterschiedlich sie sind, so gut ergänzen sie sich.

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Gegensätze ziehen sich an

Neals Sidekick ist sein “Ex-Partner in Crime” Mozzie (Willie Garson), ein leicht paranoides Schlitzohr, der für Neal Augen und Ohren in der “Szene” offen hält und Neal des öfteren mit Informationen versorgt, die für die aktuellen Fälle und für Neals Suche nach seiner verschwundenen Freundin hilfreich sind. Die Frage, was mit Kate passiert ist, zieht sich durch die gesamte Staffel. Auch Peter versucht das Geheimnis zu lösen, jedoch arbeitet jeder für sich daran und auf seine eigene Weise.

“White Collar” dreht sich um Delikte wie Kunstdiebstahl, Betrug, Fälschung. Es kommt nur wenig Gewalt vor, selten eine Leiche, eine angenehme Abwechslung zu den üblichen Krimis. Raffinesse und analytisches Denken ist hier angesagt. Die Plots sind zwar nicht immer wasserdicht, aber Realismus ist – wie schon an der Prämisse erkennbar – nicht unbedingt das Markenzeichen von “White Collar”. Es wird aber auch gar nicht so getan als ob. Und das ist das Sympathische an der Serie: Sie kennt ihre Grenzen, nimmt sich nicht zu ernst und versucht nicht, mehr zu sein, als sie ist. “White Collar” ist clevere und kurzweilige Unterhaltung.

Schade, dass “White Collar” so unter dem Radar der deutschen Fernsehzuschauer fliegt. Während in den USA eine fünfte Staffel genehmigt ist, ist bei RTL bis bisher nur die erste Staffel gelaufen, leider nicht sehr erfolgreich. Mit geändertem Sendeplatz wird ab Donnerstag, dem 11. Oktober 2012 um 23.10 Uhr mit der Ausstrahlung der zweiten Staffel begonnen, die aktuellen Folgen können jeweils für eine Woche online auf RTL Now kostenlos angesehen werden. Die erste Staffel von “White Collar” ist in Deutschland auf DVD erhältlich.

Fotos © USA Network

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