Zweieinhalb Männer, aber kein Erwachsener – “Two and a Half Men” ist die Serie für Freunde des schlichten Holzhammer-Humors und damit sehr erfolgreich.Two_and_a_Half_Men_Banner

Was nicht nur an der Show selbst liegt, sondern auch an den Skandalen und dem damit verbundenen Medieninteresse, das sie begleitet. Die Serie profitierte von Charlie Sheens privaten Eskapaden und erreichte so einen enormen Bekanntheitsgrad.

“Kreative Differenzen” werden häufig als Grund genannt, wenn ein Darsteller aus einer Serie aussteigt und selten hat die Öffentlichkeit so detailreich miterlebt, wie solche Differenzen aussehen können. Es folgte die medienwirksame Suspendierung Sheens mit anschließendem Rausschmiss und dem Einstieg Ashton Kutchers.

Nur um wieder in Schlagzeilen zu geraten, als Jake-Darsteller Angus T. Jones öffentlich die Serie verreißt, die ihm 350.000 $ pro Woche beschert. Womöglich ist das die Gelegenheit, den halben Mann aus dem Titel, der schon lange nicht mehr passt, loszuwerden.

Denn von der ursprünglichen Prämisse ist bei “Two and a Half Men” nicht mehr viel übrig. Da ging es um den den Frauen und Alkohol zugeneigten Komponisten für Werbespot-Jingles Charlie Harper (Charlie Sheen), der in seiner Strandvilla in Malibu ein beneidenswertes Jungesellenleben führt, das durch seinen Bruder Alan (Jon Cryer) empfindlich gestört wird. Der nistet sich nach der Trennung von seiner Frau Judith (Marin Hinkle) in der Villa ein und Charlies Grund, ihn nicht hochkant wieder rauszuwerfen, ist Alans zehnjähriger Sohn Jake.

Charlie verrät Jake seine Lebensweisheiten in Bezug auf Frauen, Alkohol und Pferdewetten, zum Entsetzen seines Vaters, der ihn “anständig” erziehen möchte, dabei aber selbst der lebensgroße Beweis dafür ist, dass eine rechtschaffene Lebensführung kein Garant für ein erfolgreiches Leben ist, ganz im Gegenteil.

Aus dieser Konstellation ergibt sich eine Menge Situationskomik und gute Gags, wobei der Aufbau der Show simpel strukturiert ist: Jemand sagt einen Satz, gekontert von einem Spruch, es folgen die Lacher vom Band und das Ganze wieder von vorn. Dabei lebt die im altmodischen Multi-Camera-Setup gedrehte Serie von anzüglichen Zoten und Brachialhumor, ist alles andere als politisch korrekt, aber oft primitiv, stereotyp und vorhersehbar.

Was nicht heißt, dass es nicht lustig ist. Vor allem die großartigen Nebenrollen wie die bissige Haushälterin Berta (Conchata Ferrell), die egozentrische Mutter Evelyn (Holland Taylor) oder die stalkende Nachbarin Rose (Melanie Lynskey) sind häufig für einen witzigen Auftritt gut.

Daneben wartet “Two and a Half Men” mit einer Reihe von Gaststars wie Sean Penn, Elvis Costello, Robert Wagner, Jenny McCarthy oder Janeane Garofolo auf.

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Die guten alten Zeiten

Aber etwa seit der sechsten Staffel geht der Serie die Luft aus, eine Handlungs- und Charakterentwicklung findet und fand kaum je statt. Mit dem älter werdenden Jake wussten die Autoren kaum etwas anzufangen, so dass er zu einer ständig furzenden Dumpfbacke degeneriert ist. Wendungen wie Charlies Verlobung in der 7. Staffel gehören zu den quälenden Tiefpunkten der Serie. “Two and a Half Men” war dabei sich totzulaufen, wenn nicht Charlie Sheen mit seinem privaten Auftreten für Schlagzeilen gesorgt hätte und damit auch “Two and a Half Men” ordentlich Aufmerksamkeit und erneut Auftrieb verschafft hätte. Durch den Wechsel zu Ashton Kutcher bekam die Serie einen neuen Anstrich und mit ihm hat sich auch der Tenor verändert.

Kutcher als Milliardär Walden Schmidt hat zwar wie Charlie Schlag bei Frauen, ist aber naiv statt abgebrüht. Während die Reibereien zwischen Alan und Charlie ein Kräftemessen war, bei dem Alan grundsätzlich den Kürzeren zog, hat Alan gegenüber Walden von vornherein keine Chance. Der Serie fehlt die Dynamik zwischen den Hauptdarstellern und wirkt konstruiert und bemüht. Den Quoten tut es keinen Abbruch, die Serie läuft und läuft.

Ab dem 27. August 2013 geht es auf Pro 7 weiter mit der zehnten Staffel von “Two and a Half Men”.

Photos © CBS

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