Nachdem Wissenschaftler den synthetischen Blutersatz “Tru Blood” entwickelt haben, traut sich die bisher im Untergrund lebende Vampirbevölkerung an die Öffentlichkeit und fordert Gleichberechtigung. Die Humanpopulation ist damit nicht durchgehend einverstanden und Anführer aus Politik und Religion nutzen die Situation, sich zu profilieren, während auch auf Vampirseite insgeheim nicht alle dem Mainstream folgen und auf friedliche Koexistenz setzen, sondern weiter echtes Blut trinken und sich die Menschen als Nahrung, bestenfalls als Haustiere, halten wollen.

TrueBloodDrink

Unterdessen herrscht im (fiktiven) Südstaatenkaff Bon Temps, Louisiana, helle Aufregung, als der 173 Jahre alte Vampir und Bürgerkriegsveteran Bill Compton (Stephen Moyer) in seinen Heimatort zurückkehrt. Vor allem die Kellnerin Sookie Stackhouse (Anna Paquin) ist von dem Gentleman alter Schule fasziniert, denn Sookie verfügt über telepathische Fähigkeiten und Bill ist die erste Person, deren Gedanken sie nicht hören kann. Daneben wird Bon Temps von weiteren skurrilen Charakteren bevölkert, wie Sam (Sam Trammell), Sookies Chef mit einer auffälligen Affinität zu Hunden, sowie Sookies Bruder Jason (Ryan Kwanten) und LaFayette (Nelson Ellis), der Cousin ihrer ständig wütenden Freundin Tara (Rutina Wesley), die beide mehr mit der aus Vampirblut gewonnenen Droge “V” zu tun haben, als ihnen gut tut.

Der amerikanische Bezahlsender HBO steht für qualitativ hochwertige Serienproduktionen und Drehbuchautor Alan Ball genießt nach seinem Oscar für “American Beauty” und der vielfach prämierten Serie “Six feet under” Narrenfreiheit, also ist es keine Überraschung, dass sich “True Blood” nicht lange mit überflüssiger political correctness aufhält. Blut, Sex, Drogen, Machtkämpfe und viel schwarzer Humor, mit dem Rassismus, Homophobie und Bigotterie aufs Korn genommen werden, sind die wesentlichen Bestandsmerkmale von “True Blood”.

Während sich der Oberprediger der “Gemeinschaft der Sonne” in Talkshows Wortgefechte mit der Sprecherin der “Amerikanischen Vampir Liga” liefert, Ehen zwischen Vampir und Mensch in den ersten Bundesstaaten legalisiert werden und Angelina Vampirbabys adoptiert, jagen in Bon Temps Rednecks Vampirnester in die Luft, entführen jüngere und damit schwächere Vampire, um mit deren Blut zu dealen und ermorden “Fangbangers”, menschliche Vampirgroupies, die ihren Kick daraus ziehen, sich beim Sex mit Vampiren das Blut aussaugen zu lassen. Beliebter Treffpunkt für Fangbangers ist der Vampirnachtclub “Fangtasia”, geleitet von dem supercoolen und überheißen Wikingervampir Eric Northman (Alexander Skarsgård), der im Folterkeller des “Fangtasia” Straftaten gegen Vampire mit seinen ganz speziellen Methoden ahndet.

Eric Northman

Alter Schwede

Immer mehr erfährt man über die Hierarchie innerhalb der Vampirgesellschaft. Eine mysteriöse “Autorität” gibt die Order vor, sich in die menschliche Gesellschaftsstruktur einzuordnen, aber nicht alle Vampire sind bereit, ihren aufgrund ihrer Stärke naturgegebenen Platz an der Spitze der Nahrungskette kampflos aufzugeben. Allerliebster Bösewicht ist dabei Vampirkönig Russell Edgington (Denis O’Hare), der es nach 3000 Jahren Lebenszeit und mittlerweile mit enormen Kräften ausgestattet überhaupt nicht einsieht, friedlich mit den Menschen zusammen zu leben (“Peace is for pussies!”).

Weitere Fabelwesen treten auf, von Mänaden über Feen, Gestaltwandler, Werwölfe und Hexen. Manche verbünden sich, mehr oder weniger freiwillig, um gegnerische Gruppierungen zu bekämpfen.

TrueBloodCast

True Blood Cast

Trash oder Camp? Das ist hier die Frage und nicht immer ist sie eindeutig zu beantworten. Natürlich ist “True Blood” nicht ganz zu ernst nehmen, die Serienmacher tun es ja auch nicht und viele der gesellschaftskritischen Anspielungen sind mehr als gelungen, andererseits rutschen ernst gemeinte Szenen auch gerne mal in unfreiwillige Komik ab.

Regie und Schnitt sind top, die Drehbücher leider nicht immer, manche Löcher in der Geschichte sind nicht zu übersehen. Storylines, die im Nirgendwo enden (Werpanther?!) oder mit dem eigentlichen Serieninhalt nichts zu tun haben und atmosphärisch völlig unpassend sind. Wenigstens hat das Rauchmonster aus “Lost” nach vorübergehender Arbeitslosigkeit eine neue Anstellung als Ifrit gefunden.

Sehr lose basierend auf den “Southern Vampire Mysteries”, einer Buchserie von Charlaine Harris, begann “True Blood” als eine einzige Geschichte mit mehreren ineinander verflochtenen Handlungssträngen, entwickelte aber im Laufe der Zeit immer mehr separate Handlungen, die sich kaum noch überlappen und nebeneinander herlaufen. Seltsam auch, dass Alan Ball trotz der Fülle an Charakteren, die mittlerweile den “True Blood”-Serienkosmos bevölkern, immer noch an den eher blassen Figuren Sookie und Bill als Hauptacts festhält, anstatt den interessanteren und auch populäreren Charakteren wie Eric und seiner treuen Freundin Pam oder auch LaFayette oder Jessica bessere Storylines und mehr Screentime zu verpassen.

Trotz starker Qualitätsschwankungen zwischen den Staffeln, die soapmäßigen Cliffhanger am Ende der einzelnen Folgen und der unberechenbare Storyverlauf machen es schwer, sich vom Bildschirm zu lösen. Einmal über den holperigen Anfang hinweg, erzeugt “True Blood” ein derartiges Suchtpotenzial, dass man die Staffeln am liebsten am Stück wegfressen möchte. Und allein das tolle Intro und Titelsong (“Bad Things” von Jace Everett) sind schon einen Blick wert, wenn auch auf Dauer mit 1:45 min. zu lang.

In Deutschland liegen die Erstausstrahlungrechte von “True Blood” beim Bezahlsender Syfy, der die 5. Staffel ab Frühjahr 2013 zeigt, im Free-TV hat RTL II im März die Ausstrahlung der 3. Staffel beendet. Auf DVD sind die ersten vier Staffeln mit diversen Extras erhältlich, iTunes bietet die aktuell in den USA laufenden Folgen der 5. Staffel auch in Deutschland zum Download an.

Fotos: © HBO

 

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