Bei “The Walking Dead” fliegen die Fetzen. Nach unzähligen Serien mit Vampiren, Hexen, Geistern, Werwölfen haben endlich auch die Zombies ihre eigene Show bekommen. Und das mit großem Erfolg.

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Polizist Rick Grisham (Andrew Lincoln) wird im Dienst angeschossen und schwer verletzt. Im Krankenhaus erwacht er nach einigen Wochen aus dem Koma und findet eine völlig veränderte Welt vor. Zombies wanken durch die Straßen, es gibt kaum Überlebende. Er macht sich auf die Suche nach seiner Frau Lori (Sarah Wayne Callies) und seinem Sohn Carl (Chandler Riggs) und findet sie in einem Camp zusammen mit einer Gruppe Menschen, die in einer nicht mehr vorhandenen Zivilisation ums nackte Überleben kämpfen.

Vor dem Hintergrund der ständigen Bedrohung durch die Zombies treibt “The Walking Dead” die Protagonisten in einer Mischung aus Western und Road Movie von einem Fluchtpunkt zum nächsten. Trotz der Weite der verlassenen Landschaften und menschenleeren Straßen herrscht eine klaustrophobische Atmosphäre, die Endzeitstimmung wird von einem hervorragenden Soundtrack unterstützt.

Bei den Sets und den Effekten kann “The Walking Dead”, bis auf wenige Ausnahmen, locker mit der Produktionsqualität der Kinofilme des Genres mithalten, vor allem das Make up der Zombies ist gut gelungen. Auf dem Level der Genrefilme sind auch die Plots und die prototypischen Figuren. Und das ist schade, denn in dem Bereich hat eine Serie durch die Laufzeitlänge den Vorteil, Handlungen und Charaktere komplexer herauszuarbeiten.

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Kein Respekt vor dem Sheriff

Obwohl sich “The Walking Dead” gerade in der ersten Hälfte der zweiten Staffel viel Zeit dafür nimmt, die einzelnen Figuren und die Gruppendynamik zu beleuchten, bleiben die Protagonisten blass und nichtssagend, oder schlimmer noch, werden nervig. Bei manchen Charakteren kommt der Verdacht auf, dass sie nur deshalb überlebt haben, weil ihre Hirnfunktionen schon lange den Dienst quittiert haben und, im Gegensatz zu den Zombies, nicht mal mehr in Ansätzen reaktiviert werden können. Ein paar Beispiele:

– Der Zehnjährige, der sich mit zu großem Sheriff-Hut auf dem Kopf als Chef im Camp aufführt.

– Der alte Mann, der gerne Waffen versteckt, “um die Leute vor sich selbst zu schützen”. Man muss kein Waffenfreund sein, um zu realisieren, dass in einer Zombieapokalypse niemandem geholfen ist, wenn man ihm die Waffen wegnimmt.

– Die beiden Alphamännchen, die sich auf dem Gelände einer Schule auf dem platten Land gegenseitig die Fresse polieren. Obwohl dort Zombies rumgestreunt sind. Und obwohl sie wissen sollten, dass dann viele andere Zombies nicht weit sind.

– Mutter Grimes, die aufgrund einer hirnverbrannten Idee ins Dorf fährt, als ginge es mal eben zum Einkaufen. Wie viele Zuschauer haben sich wohl gewünscht, dass sie es ins Dorf schafft, um dort umgehend von einer Gruppe Beißer in Empfang genommen zu werden?

The Walking Dead Michonna

Gassi gehen in der Apokalypse

Neben eindimensionalen Charakteren und deren wenig plausiblen Handlungen sind die Storys so klischeehaft, das sie oft auf das Niveau einer Seifenoper sinken. Dazu kommen schwache Dialoge und teils miserable schauspielerische Leistungen. Als einer der wenigen schafft es Norman Reedus, seiner Figur Daryl Dixon Tiefe und Komplexität zu verleihen, der Redneck der Gruppe wird zum Sympathieträger.

“The Walking Dead” behandelt das Leben einer Gruppe von Menschen vor dem Hintergrund einer Apocalypse, bei der die Zombies den Rahmen bilden. Es geht in erster Linie um die Menschen, die mit der ungewohnten Situation umgehen müssen und um die Bildung neuer gesellschaftlicher Strukturen, mit den Zombies als konstante Gefahr im Hintergrund.

Die atmosphärische Darstellung der Endzeitstimmung und der Ausnahmesituation, in der sich die Protagonisten befinden, gelingt in “The Walking Dead” sehr gut. Es werden auch die Fragen nach den sozialen Folgen und den psychischen Auswirkungen auf die Überlebenden aufgeworfen, wenn auch im Rahmen der üblichen Genre-Konventionen. Bei der Charakterzeichnung und der Ausarbeitung der Handlungen ist aber noch reichlich Luft nach oben.

Update: RTL II zeigt vom 31. Oktober – 03. November 2013 die dritte Staffel von “The Walking Dead”.

Fotos © AMC

  • batcat67:

    Bin da ganz Deiner Meinung,die Verfilmung wird der Vorlage der Comics einfach nicht gerecht :-(

  • PaGe:

    Ich kenne von den Comics nur die Auszüge, die im Netz rumschwirren, aber man hätte aus der Serie definitiv mehr machen können.