Ein ehemaliger FBI-Agent als gebrochener Held mit Alkohol- und Herzproblemen und ein berüchtigter Serienkiller mit einer Vorliebe für Edgar Allen Poe als Antagonist liefern sich in “The Following” den ewigen Kampf von Gut gegen Böse. 2004 hat Ryan Hardy (Kevin Bacon) den mordenden Literaturprofessor Joe Carroll (James Purefoy) zur Strecke gebracht und leckt sich Jahre später noch die Wunden, als Carroll aus dem Gefängnis ausbricht und Hardy die Jagd erneut aufnehmen muss. TheFollowing_BannerCarroll hat es nicht nur geschafft, im Hochsicherheitstrakt seine Flucht vorzubereiten und durchzuführen, er hat zudem ein Gefolge an Fans mit Tötungsdrang aufgebaut, die ihrem Meister bedingungslos gehorchen. Skrupellos setzen die Mitglieder des Netzwerkes die Pläne Carrolls in die Tat um, ohne Rücksicht auf Menschenleben oder ihr eigenes. Es kommt zu Gewaltexzessen, die nicht selten rein um des Effektes willen in die Serie eingebaut worden sind und wenig zur Handlung beitragen. Möglicherweise soll die überflüssige, zur Schau gestellte Brutalität von dem Mysterium ablenken, wieso eine Reihe ausgewiesener Psychopathen und -pathinnen  sich ohne weiteres dem weitgehend charismabefreiten Joe Carroll unterwerfen. Sie wollen alle einer “Sache” dienen, für die sich das Möchtegern-Mastermind Carroll seine Pläne ausdenkt, aber die Auflösung, was “die Sache” eigentlich ist, erweist sich, soviel sei vorweggenommen, als antiklimatisch. Dennoch richten die “Carrollisten” an allen Ecken und Enden blutige Gemetzel an und werden nur deshalb nicht aufgehalten, weil sich das FBI dümmer anstellt als, ja, als die Polizei erlaubt.

Die wichtigste Person auf der Seite der “Guten” ist ohne Zweifel Ryan Hardy, der im FBI -Quartier wegen seiner Unberechenbarkeit nicht gerne gesehen wird, aber für den Fall unverzichtbar ist, weil er mit den Eigenarten des Gesuchten am besten vertraut ist. Hardy ist eine Figur, die sich alle Freiheiten nimmt, weil sie ohnehin nichts mehr zu verlieren hat. Ähnlich wie Jack Bauer in “24” fühlt sich Ryan Hardy für jedes einzelne Opfer höchstpersönlich verantwortlich und geht zur Vermeidung weiterer Gewalttaten über zahllose Leichen. Dabei bringt er sich mehr als einmal durch haarsträubenden Leichtsinn in gefährliche Situationen. Gerettet wird er meistens von dem Nachwuchs-Agenten Mike Weston (Shawn Ashmore), dessen Partnerschaft mit Hardy zu den Highlights der Serie gehört, weil hier die Chemie einfach stimmt.

Hardys besondere Beziehung zu Joe Carroll ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass er ihn hinter Gitter gebracht hat, sondern auch, dass er eine Affäre mit der ehemaligen Mrs. Carroll (Natalie Zea) hatte, wohlgemerkt erst nach deren Scheidung von dem Massenmörder. Diese moralische Sauberkeit wird extra erwähnt, erstaunlich für eine Serie, die vor Blut und Gewalt nur so trieft. Davon abgesehen ist die Enthüllung dieser Affäre eine von vielen abgegriffenen Wendungen in “The Following”. Konnte Hauptautor Kevin Williamson die massenhafte Verwendung von Klischees in “The Cabin in the Woods” noch halbwegs als Zitate und Anspielungen verkaufen, ist es in “The Following” einfach nur eine Aneinanderreihung von Klischees, was die Serie in weiten Teilen zu einem Ärgernis macht.

Es gibt aber auch Positives über “The Following” zu berichten. Von den Schwächen abgesehen, wird die Geschichte packend und zügig erzählt. Die Tatsache, dass die Follower sich auch in Schlüsselpositionen eingeschleust haben, lässt jede Person als potenziellen Gegner erscheinen. Dazu gibt es in der Serie wenig Skrupel, auch wichtige Hauptfiguren über die Klinge springen zu lassen, niemand ist “sicher”. Spannung ist garantiert, zumindest in der ersten Staffel. Die beiden Hauptdarsteller sollen für sieben Staffeln unterschrieben haben, ob die Prämisse Stoff für einen so langen Zeitraum hergibt, bleibt abzuwarten.

“The Following” läuft ab dem 17. September 2013 um 22.15 Uhr auf RTL.

Foto © RTL Crime

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