Die BBC-Serie “Sherlock” verfrachtet den Meisterdetektiv aus der viktorianischen Ära in das Technologie-Zeitalter der Gegenwart und entstaubt so den britischen Klassiker. Das muss nicht immer funktionieren, dafür gibt es Beispiele, aber “Sherlock” beweist, dass auch alte Figuren im neuen Gewand sehr schön anzusehen sein können.

Sherlock_Serie

Das liegt nicht zuletzt an der Besetzung der beiden Hauptcharaktere durch Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Cumberbatch verkörpert den modernen Sherlock als brillanten, arroganten Soziopathen mit einschüchternder Energie. Statt Pfeife zu rauchen, versucht er die Qualmerei mit Nikotinpflastern zu bekämpfen, statt mit der Lupe arbeitet er mit Handy und Laptop. Wie der originale Sherlock Holmes verwendet er die Methode der Deduktion und verblüfft durch seine logischen Schlussfolgerungen, die er aus der Beobachtung winzigster Details zieht. Sherlock hat allerdings einen entscheidenden Schwachpunkt: Im gesellschaftlichen Umgang mit anderen Menschen versagt er regelmäßig auf ganzer Linie. In dieser Hinsicht ist ihm Dr. John Watson weit überlegen. Der Militärarzt, der wie seine literarische Vorlage nach einer Verletzung aus dem Krieg in Afghanistan zurückgekehrt ist (Geschichte wiederholt sich), ist mit seiner Normalität und Bodenständigkeit die perfekte Ergänzung zu Sherlock. Freeman gelingt es, dass sein Watson nicht vom imposanten Cumberbatch an der Rand gedrängt, sondern als Partner neben Sherlock bestehen kann. Beide brauchen sich gleichermaßen, so wie Watson für Sherlock den Bezug zur Realität darstellt, bringt Sherlock Aufregung in Watsons Leben, das ihm nach seiner Rückkehr aus dem Krieg zu langweilig zu werden droht.

Von der gemeinsamen Wohnung in der 221B Baker Street aus bloggt Watson regelmäßig über seine Abenteuer mit Sherlock, denn Sherlock löst keine Fälle wie jeder andere Detektiv, sondern erlebt Abenteuer. Die basieren auf dem Originalmaterial von Sir Arthur Conan Doyle, sind aber modernisiert und an den aktuellen Gegebenheiten angepasst worden. Erzählt werden die Geschichten im halsbrecherischen Tempo, mit schnellen Ortswechseln und Sprüngen über verschiedene Ebenen, die Dialoge sind so messerscharf wie Sherlocks Verstand. Qualitativ sind nur wenige Fernsehkrimis auf dem Level von Sherlock und nur selten wird so viel Wert auf die Charakterzeichnung gelegt wie hier, denn “die Serie “Sherlock” ist keine Detektivgeschichte, sondern eine Geschichte über einen Detektiv”, so Steven Moffat, der zusammen mit Mark Gatiss die Drehbücher schreibt.

Die Serie hat den einzigen Makel, dass jede Staffel nur aus drei Folgen mit jeweils 90 Minuten besteht. Zudem werden die Abstände zwischen den Staffeln immer länger, weil es schwierig ist, die Termine der Beteiligten unter einem Hut zu bekommen. Während Moffat an “Doctor Who” arbeitet, werden Benedict Cumberbatch und “der kleine Hobbit” Martin Freeman mit Angeboten zugeschüttet. Eine vierte Staffel ist schon bestätigt, bis dahin wird es aber noch eine Weile dauern.

Die dritte Staffel von “Sherlock” wird in der ARD am 29. Mai, am 8. und am 9. Juni 2014 ausgestrahlt.

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