Mit “Elementary” kommt eine weitere moderne Adaption des klassischen Sherlock Holmes ins Fernsehen. In diesem Fall lebt Sherlock (Johnny Lee Miller) in New York, hat gerade einen Drogenentzug hinter sich und bekommt daher von seinem Vater als Aufpasserin die ehemalige Chirurgin Dr. Joan Watson (Lucy Liu) zur Seite gestellt.

Elementary_BannerDie Idee, den viktorianischen Detektiv Sherlock Holmes in die heutige Zeit zu versetzen und ihm damit Internet, Handys und all die anderen modernen Errungenschaften zur Verfügung zu stellen, stammt von den britischen Autoren Steven Moffatt und Mark Gatiss und wurde von der BBC mit der Serie “Sherlock” äußerst erfolgreich umgesetzt.

Aber amerikanische Zuschauer setzen sich nicht gern mit fremden Kulturen auseinander – zumindest scheint das die Ansicht der US-Studios zu sein. Als die CBS um die Erlaubnis anfragte, “Sherlock” für den amerikanischen Markt zu adaptieren, kam postwendend die Absage, verbunden mit dem Hinweis, etwaige Projekte dieser Art im Hinblick auf Urheberrechtsverletzungen genauestens unter die Lupe zu nehmen.

Allerdings liegen die Rechte an der Figur “Sherlock Holmes” weder bei Moffat/Gatiss noch bei der BBC, so dass die CBS beschloss, Sherlock zwar in der heutigen Zeit agieren zu lassen, aber in New York statt in London und mit einer asiatisch-amerikanischen Ärztin an der Seite statt dem britischen vormaligen Militärarzt Dr. John Watson. Holmes wird in “Elementary” vom NYPD als Berater zu den Mordermittlungen hinzugezogen. Schlüssel ist dabei Captain Tobias Gregson, mit wenig Enthusiasmus gespielt von Aidan Quinn, der ihn während einer Zusammenarbeit mit dem Scotland Yard bei einem früheren Fall kennengelernt hat.

New York ist als Krimischauplatz inzwischen ziemlich ausgelutscht und es gelingt auch nicht, eine besondere Atmosphäre aufzubauen, die den Kriminalgeschichten und vielen Verfilmungen von “Sherlock Holmes” eigen sind. Zudem beruhen die Fälle nicht auf den originalen Geschichten von Arthur Conan Doyle, sondern sind Drehbücher, die den üblichen Standard von Krimiserien wie “Law & Order” oder “NCIS” entsprechen.

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Sherlock und Watson ermitteln

Dreh- und Angelpunkt bei “Elementary” ist die Beziehung zwischen Holmes und Watson. Dabei handelt es sich weder um eine freundschaftliche noch um eine Liebesbeziehung, sondern das Verhältnis ist rein geschäftsmäßiger Natur. Während Holmes – wie das literarische Original – ein hyperaktiver, manischer Suchtcharakter ist, ist Watson stoisch und gefasst. Sie besitzt ihre eigene Geschichte und die Frage, warum sie statt als Chirurgin ihr Geld lieber als Kindermädchen für den (auch für den Zuschauer) oft anstrengenden Holmes verdient, ist reizvoll und führt dazu, dass der Holmes-Charakter manchmal neben dem von Watson verblasst.

Ansonsten bleibt die Frage, warum die CBS darauf bestanden hat, ihre Charaktere Holmes und Watson zu nennen. Das brillante Superhirn, das die verzwicktesten Kriminalfälle löst, im alltäglichen Leben aber ohne seine jeweiligen Assistenten/Assistentinnen kaum zu gebrauchen ist, taucht in US-Krimiserien häufig auf, z.B. bei “Monk”, “The Mentalist” oder “House”. Auch wenn Dr. House medizinische Fälle statt Kriminalfälle löst, ist seine Figur stark an Sherlock Holmes angelehnt. Das die CBS mit ihrem Sherlock Holmes durch den Namen Aufmerksamkeit generieren und auf den Hype aufspringen will, den die BBC-Serie ausgelöst hat, liegt nahe. Allerdings lenken der Name und die Charakteranleihen nicht von den bescheidenen Drehbüchern und mittelmäßigen schauspielerischen Leistungen ab. Unterm Strich ist “Elementary” durchschnittliche amerikanische Krimikost.

Ab dem 10. Januar 2013 zeigt Sat 1 die erste Staffel von “Elementary”.

Fotos © CBS

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