Geschrieben von Oscar-Gewinner Julian Fellowes, schildert die britische Serie “Downton Abbey” das Leben der adeligen Familie Crawley und ihrer Bediensteten anno 1912 auf einem Anwesen in Yorkshire nahe dem fiktiven Dorf Downton.

Downton_Abbey_BannerEs geht schon gut los. Mit einer Kamerafahrt durch die einfachen Privaträume der Angestellten, die sich für einen langen Tag fertig machen, durch die Arbeitsräume, in denen den Herrschaften die Garderobe aufgerüscht und das Frühstück zubereitet wird, steuert “Downton Abbey” auf die erste Katastrophe zu: Die Zeitung ist noch nicht geliefert worden und somit wird die Zeit knapp, die Seiten einzeln aufzubügeln, um damit zu verhindern, dass der Herr des Hauses, Robert Crawley (Hugh Bonneville), seines Zeichens Earl of Grantham, sich die adeligen Finger mit Druckerschwärze beschmutzt. Zum Glück erscheint der Zeitungsjunge noch rechtzeitig, bevor der Earl im Frühstückszimmer vor dem riesigen van Dyke an der Wand Platz nimmt. Nur einer von drei van Dykes unter den vielen Gemälden allein in diesem Zimmer.

Doch da lauert schon gleich die nächste Katastrophe. Nein, nicht der Untergang der Titanic, von dem in der Zeitung berichtet wird, sondern die Tatsache, dass Cousin Patrick zu den Opfern gehört. Das wirft schwerwiegende Probleme auf, Downton Abbey darf nur an einen männlichen Nachfahren übergehen und da Roberts amerikanische Gattin Cora (Elizabeth McGovern) ihrem Mann neben ihrem Vermögen nur drei Töchter geschenkt hat, die Ladys Mary (Michelle Dockery), Edith (Laura Carmichael) und Sybil (Jessica Brown-Findlay), wäre der unglückliche Cousin der Nächste in der Erbfolge gewesen.

Marys Hochzeit mit Patrick war schon beschlossene Sache und so wäre der Grundbesitz, das darin steckende Geld und der Titel in der Familie geblieben. An die Stelle von Patrick tritt in der Erbfolge der entfernte Verwandte Matthew (Dan Stevens), ein Anwalt aus Manchester, Angehöriger der Mittelklasse und auch noch stolz darauf. Als Matthew mit seiner rechthaberischen Mutter Isobel (Penelope Wilton) auf Downton Abbey eintrifft, nehmen die Ereignisse ihren Lauf. Kommentiert von den schnippischen Bemerkungen der Dowager Countess of Grantham (Maggie Smith), deren Sprüche oft weltfremd sind und dann wieder erstaunlich scharfsinnig den Kern der Sache treffen.

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Lady Cora, die Dowager Countess Violet und Sir Robert in der kleinen Bibliothek

Hinter den Kulissen geht es auch bei den Dienstboten turbulent zu. John Bates (Brendan Coyle), ehemaliger Burenkriegskamerad von Robert Crawley, tritt seine Stelle als Kammerdiener bei ihm an. Zum Missfallen von Thomas Barrow (Rob James-Collier), der selbst auf die Stelle gehofft hatte und sich mit Coras Kammerzofe O’Brien (Siobhan Finneran) daran macht, gegen Bates zu intrigieren, um ihn umgehend wieder loszuwerden. Unterdessen versucht die Köchin Mrs. Patmore (Lesley Nicol) dem Küchenmädchen Daisy (Sophie McShera), die ein Auge auf Thomas geworfen hat, zu verklickern, dass Thomas kein “ladies man” ist.

Stoff für weitere große und kleine Dramen, an denen es in “Downton Abbey” nicht mangelt. Unglaublich viele Geschichten werden erzählt und die einzelnen Handlungsfäden sind dicht miteinander verwoben. Wobei es den einen oder anderen Faden gibt, der zu lang und breit ausgewalzt wird, während andere aufgenommen und zu schnell wieder fallen gelassen werden. In “Downton Abbey” geht es nicht selten melodramatisch zu und hin und wieder rutscht es auch ins seifenopernartige ab, aber die Serie wird vor allem durch ihre Dialoge gerettet. Knapp, sehr pointiert und alles andere als geschwätzig.

Dazu besticht “Downton Abbey” durch das üppige Ambiente. Zum einen bei den Kostümen, die von der einfachen Bekleidung der Angestellten und anderen “Normalsterblichen” zu den prachtvollen Kleidern der Aristokratinnen reichen und auch bei den Frisuren in den bisherigen drei Staffeln den Wandel von der Vorkriegsmode hin zum Look der Zwanziger Jahre abbilden.

Zum anderen bei den Kulissen. “Downton Abbey” wird nicht im Studio, sondern auf Highclere Castle gedreht, das bis heute im Besitz der Familie Carnavon und des National Trust ist und besichtigt werden kann. Der Prunk im Inneren des Hauses und die Schönheit der das Anwesen umgebenden Landschaft ist mehr als beeindruckend. Nur die Szenen in der Küche und den Dienstbotenräume wurden im Studio gedreht, weil diese auf Highclere Castle modernisiert worden sind.

Auch an Downton Abbey geht der Fortschritt nicht vorbei. Pferdekutschen werden von Automobilen abgelöst, Butler Carson (Jim Carter) muss üben, sich am Telefon zu melden und die Dowager Countess hat Schwierigkeiten mit dem grellen elektrischen Licht.

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Mary führt Carson das neuartige Grammophon vor

Die Geschehnisse auf “Downton Abbey” werden beeinflusst von dem Lauf der Weltgeschichte: Der Erste Weltkrieg, das daraus resultierende Aufweichen des starren britischen Klassensystems, der Kampf um Frauenrechte. Die historischen Eckdaten sind mit Sicherheit korrekt, ob das Alltagsleben immer realistisch gezeichnet wird, darf bezweifelt werden, nur die wenigsten Adelsfamilien dürften sich so um ihre Angestellten gesorgt haben wie die Crawleys. Aber auch wenn sich die Serie sehr ernst nimmt, der Zuschauer muss das nicht und “Downton Abbey” ist keine Dokumentation, sondern eine Fernsehserie. Eine Edel-Kostüm-Drama-Soap, um ganz genau zu sein, mit hohem Unterhaltungswert.

Nicht viele Menschen dürften eine Ahnung haben, was es bedeutet, im einem Haus wie ein Museum mit einem Haufen Angestellter zu wohnen und sein Leben einer Rolle unterzuordnen. Michelle Obama gehört zu dieser Minderheit und sie konnte die US-Ausstrahlung der dritten Staffel von “Downton Abbey” nicht abwarten, so dass sie sich mit der Bitte an das britische Fernsehstudio wandte, ihr die Folgen auf DVD zukommen zu lassen. Dem Wunsch wurde gerne Folge geleistet.

Ab dem 1. Dezember 2013 wiederholt das ZDF die erste Staffel, ab dem 20. Dezember zeigt ZDFneo die 2. Staffel und das ZDF folgt mit der Ausstrahlung der 2. Staffel ab dem 22. Dezember.

Fotos © ITV

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