Wer sich im Internet nach Informationen zu “The Cabin in the Woods” umschaut, stolpert gleich über die ganzen Spoilerwarnungen. Bloß nicht lesen, bevor man den Film gesehen hat! Am besten überhaupt nichts über “The Cabin in the Woods” lesen, bevor man den Film gesehen hat. Jedes Fitzelchen an Information könnte den Spaß an dem Film verderben. The Cabin in the Woods

Dabei erfährt der Zuschauer gleich zu Anfang im Wesentlichen, worum es in “The Cabin in the Woods” geht:

a) Fünf Studenten machen sich auf den Weg, ein Wochenende in einer einsamen Hütte im Wald zu verbringen.

b) Dabei werden sie von einer unterirdischen Kommandozentrale aus beobachtet und manipuliert.

“Freitag der 13.” trifft “Truman Show”.

Weil das Pressematerial zu “The Cabin in the Woods” davor warnt, die “Geheimnisse” des Films zu enthüllen, hier also pflichtgemäß: Spoilerwarnung!!! Erst lesen, nachdem man den Film gesehen hat!

Der Teil um die Studenten folgt streng und damit vorhersehbar dem klassischen Muster des Horrorfilms. Von den Freunden Dana (Kristen Connolly), Jules (Anna Hutchison), Curt (Chris Hemsworth), Marty (Fran Kranz) und Holden (Jesse Williams) entspricht jeder einem bestimmten Typus, wie er sich üblicherweise in Horrorfilmen findet und wenn Jules in der dritten Minute des Films ihrer Freundin Dana das frisch blondierte Haupthaar präsentiert, ist dem geneigten Horror-Fan sofort klar, wer das erste Opfer sein wird. Auch wenn es so gewollt ist, denn die Anhäufung der Klischees dient dazu, die Klischees auf den Arm zu nehmen, aber wirklich aufregend macht es die ganze Sache nicht.

Wenn’s denn mal gruselig wird, erfolgt der Schnitt in die Kommandozentrale, wo Sitterson (Richard Jenkins) und Hadley (Bradley Whitford) das Geschehen steuern. Beide sitzen wie Regisseure vor großen Leinwänden, verfolgen die Ereignisse und greifen ein, wenn sich die Dinge nicht so entwickeln, wie es die zunächst nicht näher definierten Kunden erwarten. Dazu gehört, dass die Protagonisten sterben und zwar in einer bestimmten Reihenfolge, wie es sich eben für einen Horrorfilm gehört. Nur eine darf übrig bleiben und während diese auf der Leinwand um ihr Leben kämpft, feiern Sitterson, Hadley und ihr Stab schon ihren Erfolg. Der Sprung auf die Metaebene führt dem Zuschauer unangenehm seinen eigenen Voyeurismus vor Augen, zerstört aber auch die Spannungsmomente. Wirklich revolutionär ist die Idee einer zusätzlichen Metaebene nicht, der neue Sicherheitsbeamte in der Kommandozentrale heißt kaum zufällig ausgerechnet “Truman”.

The Cabin in the Woods

Gelehrter, Athlet, Jungfrau, Narr, Hure

Im letzten Drittel verschmelzen die beiden Handlungsstränge zu einem und führen zur Auflösung und zum großen Finale, bei dem sämtliche Zutaten aus dem Monster-Baukasten zusammen geschmissen und zu einem gewaltigen Blutbad verrührt werden.

Schon 2009 wurde “The Cabin in the Woods” fertig gestellt, aber unter Verschluss gehalten, weil man angeblich nicht genau wusste, wie man den Film vermarkten sollte. Offensichtlich wurde inzwischen eine passende Strategie gefunden, denn durch die ganze Geheimniskrämerei (siehe oben) ist ein regelrechter Hype um den Film entstanden, auf den unzählige Fans aufgesprungen sind und “The Cabin in the Woods” als neuen Kultfilm abfeiern. Das geht so weit, dass die eher mittelmäßigen Leistungen der Schauspieler, die die Studenten spielen, als geniale Parodie auf die häufig unterirdischen schauspielerischen Leistungen in Horrorfilmen interpretiert werden. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Dabei bietet “The Cabin in the Woods” durchaus ein paar überraschende Wendungen, zumindest in der zweiten Hälfte, und ist durchweg unterhaltsam erzählt. Der Film ist vollgestopft mit Anspielungen und Zitaten und nimmt das Genre kräftig auf den Arm, aber etwas wirklich Neues bietet er nicht. Drehbuchautor Drew Goddard (“Cloverfield”) gibt mit “The Cabin in the Woods” sein Regiedebüt und schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Joss Whedon (“Buffy”, “Marvel’s The Avengers”) als “loving hate letter” an das Genre. Whedon bezeichnete den Film als Versuch, das Horror-Genre wieder aufblühen zu lassen. Nur ist das Problem bei den vielen Anspielungen, dass vor lauter Zitaten eine eigene, originelle Aussage fehlt. Goddard und Whedon blicken nur zurück und nicht nach vorn.

 

Und der überraschendste Twist am Ende wurde auch verpasst: Der wäre gewesen, wenn die Direktorin den Narren getötet hätte und sich herausgestellt hätte, dass er eigentlich die Jungfrau gewesen ist.

 

Fotos: © MGM/Mutant Enemy, deutsche offizielle Seite Universum Film GmbH

Kommentieren ist momentan nicht möglich.