1956 heuert in England der junge Colin Clark als dritter Regieassistent bei der Filmproduktion von “Der Prinz und die Tänzerin” an. Die Dreharbeiten erweisen sich als schwierig, fühlt sich Marilyn Monroe doch missverstanden und nicht akzeptiert, während Laurence Olivier an den Allüren des Filmstars verzweifelt. Colin gewinnt das Vertrauen der Diva und verbringt eine Woche mit der ganz privaten Marilyn.

50 Jahre nach dem Tod von Marilyn Monroe am 5. August 1962 beschreibt “My week with Marilyn” eine Episode aus dem kurzen Leben des Filmstars, der den Menschen hinter der Ikone zeigen soll. Der Film erlaubt zudem einen Blick hinter die Kulissen der Entstehung eines Filmes mit zwei Filmlegenden des letzten Jahrhunderts und zeigt gleichzeitig die Wachablösung von der alten Garde der klassisch ausgebildeten Schauspieler hin zu den “Method Actors”.

Marilyn, hervorragend gespielt von Michelle Williams, macht am Set von “Der Prinz und die Tänzerin” ihrem Ruf als Diva alle Ehre und lässt die Kollegen oft stundenlang warten, um dann – endlich vor der Kamera – aus lauter Unsicherheit ihren Text zu vergessen. Immer wieder müssen Szenen unterbrochen werden, damit Schauspiellehrerin Paula Strasberg (Zoë Wanamaker) ihrem Schützling den Charakter ihrer Filmfigur nahe bringen kann. Eine Methode, mit der der gelernte Theaterschauspieler Laurence Olivier (Kenneth Branagh) so gar nichts anfangen kann.

Strasberg: “Marilyn sollte anfangen, sich in ihre Rolle einzufinden.”

Olivier: “Die Rolle steht im Drehbuch.”

Strasberg: “Die Worte, möglicherweise, nicht die Rolle.”

So wie Marilyn sich ausgerechnet hatte, durch eine Zusammenarbeit mit Olivier einen Schritt in Richtung Charakterfach zu machen, hatte sich Olivier erhofft, dass etwas vom Glanz der Starqualitäten seiner Filmpartnerin auf ihn abstrahlt. Nur um zu realisieren, dass er als alternder Schauspieler neben ihr wie ein Vehikel aus einer im Vergehen begriffenen Epoche erscheint.

Colin Clark erklärt es Marilyn Monroe folgendermaßen: “Er ist ein großer Schauspieler, der ein Filmstar sein möchte. Sie sind ein großer Filmstar, der eine Schauspielerin sein möchte.”

Mit solchen Worten gelingt es Colin, Zugang zu der launischen Diva zu finden, deren Verhalten zwischen dem der Sexbombe und dem des unsicheren kleinen Mädchens schwankt. Außen Marilyn, innen Norma Jeane – diese beiden Seiten ein und derselben Medaille sind seit langem als wesentliche Bestandteile des Mythos Marilyn Monroe fest in der Öffentlichkeit verankert und mit der Darstellung dieser Zerrissenheit erzählt uns der Film nicht Neues. Allerdings wird ein weiterer Aspekt ins Spiel gebracht, nämlich das Marilyn dies durchaus zu nutzen wusste, eröffnete es ihr doch die Möglichkeit, Menschen – Männer wie Frauen – nach Belieben zu gebrauchen und wieder abzulegen. Auch Laurence Olivier hat das erkannt: “Ich würde ihr an Ihrer Stelle nicht das kleine, verirrte Mädchen abkaufen. Auch wenn man natürlich in Versuchung gerät. Diese Frau weiß doch ganz genau, was sie tut, Colin.”

My week with Marilyn

Verführung und Unschuld zugleich

Aber es handelt sich bei dem Film nicht um ein Biopic. Ebenso ist nicht ganz sicher, ob Colin Clark seine Woche mit Marilyn tatsächlich so erlebt hat, oder ob die Geschichte weitestgehend seiner Fantasie entsprungen ist. Nichtsdestotrotz entführt uns der Film mit wunderschönen Kulissen, authentischen Kostümen und leicht sepia gefärbten Bildern in die goldene Filmzeitära der Fünfziger Jahre. Kenneth Branagh stellt mit seiner Leistung fast noch Michelle Williams in den Schatten, Judy Dench und Dominic Cooper sind ganz hervorragend.

“My week with Marilyn” ist ein atmosphärisch dichtes Arthouse-Melodram über einen jungen Mann, der eine Woche mit dem größten Filmstar aller Zeiten verbringen durfte. Die Legende lebt weiter.

 

Foto: © Ascot Elite Filmverleih GmbH

 

  • batcat67:

    Hab den Film nicht gesehen,macht aber neugierig wenn ich das so lese….

  • Ich fand ihn echt nicht schlecht, mich interessieren aber auch generell die Filme aus der Zeit und alles, was damit zusammenhängt.