“Showgirls” war gestern, jetzt werden die Frauen mit freizügigen Tanzeinlagen bespaßt. Und natürlich darf ein Blick hinter die Kulissen und auf die Einzelschicksale nicht fehlen. Channing Tatum ist Michael “Magic Mike” Lane, der von einem Geschäft für selbstgebaute Design-Möbel träumt und mehrere Jobs hat, um sich das Geld dafür zusammenzusparen. Bei seiner Arbeit als Dachdecker lernt er den 19jährigen Collegeabbrecher Adam (Alex Pettyfer) kennen. Abends beim Streifzug durch das Nachtleben von Tampa trifft Adam wieder auf Mike, mit dem er an jedem Türsteher vorbeikommt und die besten Frauen aufreißt, die von Mike zu einer Show im Club “Xquisite” eingeladen werden.

Magic Mike

Dort nimmt Adam staunend zur Kenntnis, dass sein neuer Freund als “Magic Mike” der Star einer Strip-Show ist und die Frauen ihm Abend für Abend den Slip mit Dollarnoten ausstopfen. Adam wird als Handlanger angeheuert, um dann kurzfristig ins kalte Wasser geworfen zu werden, als ein anderer Stripper ausfällt. Zu den Klängen von “Like A Virgin” wird Adam als “The Kid” in den Job eingeführt und erliegt – sehr zum Missfallen seiner vernünftigen Schwester Brooke (Cody Horn) – schnell  den Versuchungen der Branche aus schnellen Geld, willigen Frauen und leicht verfügbaren Drogen. Mike dagegen muss sich über seine berufliche Zukunft und seine Beziehung zu Brooke klar werden.

Die Filmidee entstand, als Tatum dem Regisseur Steven Soderbergh von seiner eigenen,  acht Monaten dauernden Zeit als Stripper erzählte und er verkörpert den nachdenklichen Schönling, der seinen Lebensstil zunächst genossen hat, aber nun in Frage zu stellt, sehr überzeugend. Channing Tatum hat nicht unbedingt den Ruf eines Schauspielgenies, aber seine Leistung gehört zu den Höhepunkten von “Magic Mike”. Ebenso Matthew McConaughey, der einen herausragenden und sehr witzigen Auftritt inklusive Bongotrommeln abliefert als Stripclubbesitzer, der seinen Jungs den loyalen Kumpel gibt, viele Versprechungen macht und nicht hält und vor allem daran interessiert ist, seine eigene Brieftasche zu füllen.

Alex Pettyfer als naiver Adam, dem der plötzliche Erfolg schnell zu Kopf steigt, bleibt dagegen blass und erzeugt kaum mehr als Gleichgültigkeit, während seine Schwester Brooke ihrer Skepsis hauptsächlich durch einen zusammengekniffenen Mund Ausdruck verleiht. Allerdings ist aus ihrem eindimensionalen Charakter wohl auch nicht viel mehr herauszuholen.

Magic Mike

Mike versucht bei Brooke zu landen

Die Szenen außerhalb des Stripclubs sind mit einem kräftigen Gelbstich versehen, was das farbenfrohe Florida aussehen lässt, als sei es durch eine Kamera gefilmt worden, die monatelang in einer Kettenraucher-WG herumlag und bei der man vergessen hat, die Nikotinschicht von der Linse zu wischen. Es dient dazu, dem Film einen Anstrich als Milieustudie zu verleihen, aber der Plot ist zu dünn, die Geschichten sind zu klischeehaft und Probleme werden plötzlich im Handumdrehen gelöst.

In einer Szene bedankt sich Adam überschwänglich bei Mike für die Chance, schnell und mit Spaß viel Geld zu verdienen und dabei die Mädels auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Während er sich seine Zukunft in rosigsten Farben ausmalt, sitzt er einem desillusionierten Mike gegenüber, der mit dem Gedanken spielt, auszusteigen. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass “Magic Mike” vor ein paar Jahren genauso hoffnungsvoll gewesen ist wie jetzt “The Kid”. Nur das Mike inzwischen erkannt hat, dass hinter der Fassade nicht alles rosig ist, dass die Oberflächlichkeit und die Reduzierung auf den Körper auf Dauer unbefriedigend sind, dass man nicht ernst genommen wird und für den Job ziemlich schnell schlichtweg zu alt ist. Viel weiter geht die Aufarbeitung dieses speziellen Arbeitsumfeldes aber nicht. Es überrascht auch nicht weiter, dass zum Ende hin noch die Drogenproblematik eingebaut wird, um auch dieses Klischee zu bedienen.

Der dramatische Part gibt leider wenig her, aber der komödiantische Teil des ist Films nicht schlecht gelungen und wer gut inszenierte Männer-Stripshows mag, der wird sich an dem bißchen Handlung drumherum nicht stören und an “Magic Mike” seinen Spaß haben.

Fotos: © Concorde Filmverleih GmbH

 

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