Stephanie Plum, arbeitslos und pleite, sucht dringend einen Job. Ihr Cousin Vinnie ist Inhaber einer Kautionsagentur und weigert sich zunächst, lässt sich dann aber doch überreden, Stephanie als Vertretung für einen erkrankten Kollegen einspringen zu lassen. Um den Kautionsanteil von 50.000 $ zu kassieren, hat sich die frischgebackene Kopfgeldjägerin als ersten Fall ausgerechnet die Festnahme von Joe Morelli in den Kopf gesetzt. Morelli ist nicht nur ein mordverdächtiger Cop, sondern auch Stephanies Ex-High School-Lover, der sie schnöde hat sitzen lassen. Aber neben Morelli bekommt es Stephanie noch mit Gangstern schwereren Kalibers zu tun.

Der Film basiert auf dem ersten Buch der erfolgreichen Reihe von Janet Evanovich, die mittlerweile 18 Romane plus diverse Kurzgeschichten umfasst. Als actionlastiger Krimi mit romantischen und komischen Elementen leben die Bücher vor allem von den skurrilen Charakteren, allen voran die chaotische und kratzbürstige Stephanie Plum, im Film verkörpert von Katherine Heigl.

Heigl, für die Rolle von blond auf brünett umgestiegen, gelingt es nicht, den Esprit der Romanfigur einzufangen. Speziell in der ersten halben Stunde des Films, wenn sie im biederen Kostümchen mit aufgerissenen Augen und ansonsten fast teilnahmslosen (coolen?) Gesichtsausdruck durch die Szenerie spaziert, fragt man sich, wo die toughe Stephanie – und vor allem deren Selbstironie – abgeblieben ist. Heigl ist zu niedlich und schafft es nicht, der Rolle Profil zu geben. Die schwachen Dialoge helfen nicht dabei:

Stephanie: “Was gibt’s zu essen?”

Mutter: “Schmorbraten.”

Stephanie: “Schmorbraten? Huh!”

Mutter: “Bereits trocken, aber Schmorbraten.”

Die Situationskomik und der Wortwitz aus den Büchern finden nur sehr selten in den Film. Die Gags sind entweder zu flach oder unpassend, wie etwa wenn Stephanie und Joe gerade beobachtet haben, wie ein Kollege mittels Autobombe in die Luft gejagt wurde. Flapsige Sprüche an dieser Stelle tragen nicht dazu bei, die Hauptfiguren ins Herz zu schließen.

Stephanie und Joe

Die passende Reaktion, wenn ein Kollege gegrillt wird

Zudem ist es für eine Besitzerin der ersten 15 Plum-Bücher, in denen immer wieder auf die schokobraunen Augen des italienischstämmigen Joe Morelli hingewiesen wird, dessen Besetzung mit dem blonden, blauäugigen, irischstämmigen Jason O’Mara nur schwer zu verkraften. Es wäre darüber hinwegzusehen, wenn die Chemie zwischen ihm und Katherine Heigl stimmen würde. Was leider nicht der Fall ist. Auch hier sind die Zeilen, die den Filmfiguren in Mund gelegt werden, nicht hilfreich. Joe: “Die kleine Ader an deinem Hals…sie pulsiert, du willst die Eine sein.” Ähm, ja…

Gelungen ist dagegen die Besetzung des Ranger mit Daniel Sunjata und Sherri Shepherd als Lula. Leider gibt die mangelhafte Charakterentwicklung des Drehbuchs den prägnanten Nebenfiguren keine Chance, aus der Eindimensionalität herauszukommen. Das gleiche Schicksal ereilt auch Debbie Reynolds (“Singin’ in the Rain”) als Grandma Mazur.

Stephanie mit Lula

Stephanie mit Lula und Kollegin

Die fehlende Dynamik der Story wird durch den trägen Schnitt noch verstärkt, auch wenn der Film etwa ab der Mitte ein wenig an Fahrt aufnimmt. Zum Ende hin bekommt man den Hauch einer Ahnung, was hätte sein können. Die Regisseurin Julie Anne Roberson hat bisher hauptsächlich bei Serienepisoden Regie geführt und als Pilotfolge für eine Fernsehserie wäre der Film gar nicht schlecht. Stoff genug gibt es und es wäre schade, die Bücher im Regal versauern zu lassen.

 

Fotos © 2011 Concorde Filmverleih GmbH

 

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