Nachdem Barnabas Collins 1768 von der eifersüchtigen Hexe Angelique in einen Vampir verwandelt und lebendig begraben wurde, wird er 1972 durch Zufall befreit. Er stellt nicht nur fest, dass sich die Welt enorm verändert hat, sondern auch, dass sein Fischereiunternehmen abgewirtschaftet und der einst prächtige Familiensitz heruntergekommen ist. Gemeinsam mit seinen Nachkommen macht er sich daran, Ansehen und Wohlstand der Familie wieder herzustellen und nimmt den Kampf gegen seine Widersacherin Angelique auf.

Es fängt so vielversprechend an: Zunächst als düstere Schauerromanze im Hafen von Liverpool, von wo aus die Familie Collins in die Neue Welt aufbricht, um dort ihr Unternehmen und ihr Anwesen Collinwood aufzubauen, bis der Sohn des Hauses, Barnabas (Johnny Depp) eine Affäre mit einem Dienstmädchen anfängt und sie anschließend fallen lässt. Dieses Dienstmädchen ist ausgerechnet die Hexe Angelique (Eva Green), die daraufhin die Familie verflucht, Barnabas große Liebe Josette in den Tod treibt und ihn in einen lebendig begrabenen Untoten verwandelt.

Sprung nach 1972: Victoria Winters (Bella Heathcote), die eine frappierende Ähnlichkeit mit Josette besitzt, reist nach Collinwood um dort eine Stelle als Gouvernante anzutreten. Als sie an das Portal klopft, erwartet man für einen Moment, dass Riff Raff die Tür öffnet, aber nein, es ist der Gärtner Willie mit den Koteletten (Jackie Earle Haley). Vicky lernt das restliche Personal und die verbliebenen Nachkommen der Collins-Familie kennen: Die Matriarchin Elizabeth (Michelle Pfeiffer) mit ihrer Tochter Carolyn (Chloë Moretz) und ihrem Bruder Roger (Jonny Lee Miller), dessen Sohn David (Gulliver McGrath), die Psychiaterin Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) und die Haushälterin Mrs. Johnson (Ray Shirley).

Dark Shadows

Dark Shadows

Mindestens drei dieser Charaktere sind überflüssig und zwei werden im Laufe des Films relativ unsanft aus der Handlung verabschiedet und bleiben die Antwort schuldig, was sie dort überhaupt zu suchen hatten. Eine andere Figur besitzt ein sehr markantes Merkmal, das erst im Finale zum Tragen kommt und dessen Vorhandensein bis dahin nicht mit einer Silbe angedeutet wird. Aber es bliebt nicht viel Zeit zur Figurenentwicklung, denn Barnabas tritt auf den Plan und “Dark Shadows” mutiert zur Johnny-Depp-Show.

Jetzt wird es komisch, wenn Barnabas mit den technischen und kulturellen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts konfrontiert wird, angefangen mit dem goldenen M eines bekannten Fast-Food-Unternehmens, das am Nachthimmel leuchtet und von Barnabas mit zwingender Logik als Zeichen des Mephistopheles gedeutet wird. Es folgen ziemlich vorhersehbare Gags zum Thema “Mensch des 18. Jahrhunderts trifft auf 20. Jahrhundert”, Johnny gibt ein paar Michael-Jackson-Impressionen und wedelt mit den Händen als wären es, nun ja, Scherenhände. Alice Cooper tritt auf und sah anscheinend 1972 schon ziemlich alt aus.

Barnabas und seine Nachfahrin

Barnabas und seine Nachfahrin

Wunderschön ist der Kontrast zwischen dem staubig-finsteren Herrenhaus und den Technicolor-Farben der Welt außerhalb. Ansonsten läuft alles auf den Showdown zwischen Barnabas und Angelique hinaus, der an “Der Tod steht ihr gut” und “Rebecca” erinnert.

“Dark Shadows” ist die achte Zusammenarbeit zwischen Tim Burton und Johnny Depp und nicht unbedingt die originellste. Grusel, Romanze, Komödie, Action – der Film hat von allem etwas und nichts so richtig. Schwächen im Drehbuch und vor allem eine katastrophale Charakterentwicklung tun ihr übriges. Vielleicht sollten Burton/Depp mal über eine kreative Schaffenspause voneinander nachdenken.

 

Fotos: © Warner Bros.

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