Wer sich bei “Brothers Grimm” eine verfilmte Biografie der Gebrüder Grimm vorstellt, liegt leider falsch. Das Leben der echten Brüder hatte mit denen aus dem Film nicht viel gemein, der Filmtitel bezieht sich eher auf die Figuren aus den Grimms Märchen, die in “Brothers Grimm” paradieren.Brothers_Grimm_WaldDie beiden Brüder ziehen im Film als Hochstapler durch die Lande, die mit Tricks und Täuschungen Dorfbewohnern das Vorhandensein von Hexen und Monstern vorgaukeln, um dann für die Vertreibung derselben abzukassieren. Die französischen Besatzer kommen hinter den Betrug und als Strafe werden die Brüder in die Stadt Marbaden abkommandiert. Dort sollen sie das mysteriöse Verschwinden einiger Mädchen untersuchen. Dabei spielt der angrenzende Wald und der darin befindliche Turm eine entscheidende Rolle und die Brüder bekommen es bald mit echten Zauberkräften zu tun.

Ein Film von Regisseur Terry Gilliam, den Weinstein-Brüdern als Produzenten und Heath Ledger und Matt Damon in den Hauptrollen kann so schlecht nicht sein, sollte man meinen. “Brothers Grimm” beweist leider das Gegenteil.

Komödie, Horror, Fantasy, Action – “Brothers Grimm” will irgendwie alles sein und ist nichts so richtig. Am ehesten funktioniert noch der Fantasyteil, Optik und Ausstattung sind schön skurril und verbreiten eine verwunschen-gruselige Atmosphäre, vor allem der Märchenwald ist toll gelungen. Die CGI-Effekte wirken allerdings schon für 2005, dem Entstehungsjahr des Films, nicht mehr ganz up to date. Kommt mal etwas Gruselstimmung auf, wird sie schnell durch komödiantische Elemente zerstört, deren Humor zwischen albern und abstoßend schwankt. Die infantilen Witze wären ja in Ordnung, wenn Kinder zum Zielpublikum zählen würden, aber mit einigen grausamen Szenen ist “Brothers Grimm” kaum für Kinder geeignet.

Peter Stormares “Cavaldi” erinnert an eine Figur aus einer Klamotte aus den Siebzigern, Matt Damon und Heath Ledger als “Will und Jake” bleiben blass. Lena Headey als Angelika liefert eine gute schauspielerische Leistung, ebenso Monica Bellucci, sie hat aber als böse Königin wenig Screentime.

Brothers_Grimm_Cavaldi

Cavaldi hat die Brüder im Griff

Die Geschichte ist platt, vorhersehbar und viel zu mager. Mit dem Resultat, dass der Film nicht nur Längen hat, sondern langweilig ist.

Die Märchen der Gebrüder Grimm werden nicht nacherzählt, auch nicht in Teilen und erst recht findet keine Verknüpfung der Märchen untereinander statt. Einzig die bekannten Figuren tauchen auf, aber neben Rotkäppchen, Dornröschen, Aschenputtel etc. kommen auch Figuren aus anderen Märchen vor, wie der Lebkuchenmann, Jack mit seinen Zauberbohnen oder Andersens Prinzessin auf der Erbse. Warum ausgerechnet die Gebrüder Grimm ihren guten Namen für diesen Film hergeben mussten, bleibt immer noch offen.

RTL II zeigt “Brothers Grimm” am 9. Dezember 2012.

Fotos © Miramax/Metropolitan Filmexport

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