Paris 1890: Der mittellose Georges Duroy schlägt sich als Buchhalter durch, als er seinen ehemaligen Kriegskameraden Charles Forestier wiedertrifft, der es mittlerweile als Journalist zu Geld und Einfluss gebracht hat. Er bietet Duroy eine Stelle bei seiner Zeitung an und führt ihn in die Gesellschaft ein. Duroy nutzt sein gutes Aussehen und seinen Charme, um die Frauen der einflussreichen Männer zu verführen und so an die Spitze der Gesellschaft zu gelangen.

Bel Ami

“Die wichtigsten Menschen in Paris sind nicht die Männer, die wichtigsten Menschen in Paris sind deren Ehefrauen.” So lautet die Weisheit von Madeleine Forestier (Uma Thurman), selbst Ehefrau von Charles Forestier, und sie kommt dem “Bel Ami” Georges Duroy (Robert Pattinson) sehr entgegen, hat er doch nicht viel mehr zu bieten als seinen Charme und sein gutes Aussehen. Attribute, die ihn bei den Damen wesentlich weiter bringen als bei den Herren, die den Aufsteiger nie wirklich ernst nehmen, auch dann nicht, als er nach dem Tod von Forestier der Ehemann von Madeleine wird. Weiß doch jeder, dass es Madeleine ist, die die brillanten Artikel schreibt, die dazu führen, dass die Regierung gestürzt wird. Sie verfügt über die Beziehungen, um an Informationen zu kommen, über die Intelligenz, die Zusammenhänge zu erkennen und über den Intellekt, ihr Wissen in Worte zu fassen. Duroy ist ihr Werkzeug, das sie benutzt, damit diese Worte in der Zeitung gedruckt werden. Als dieser erkennt, dass er für Madeleine nur Mittel zum Zweck gewesen ist und zugleich nicht in der Lage war, den Informationsvorsprung zu nutzen, wegen dem die Männer in seiner Umgebung massenhaft Anleihen aufgekauft und Riesenvermögen gemacht haben, dreht er den Spieß um und greift auf seine Verführungskünste zurück, um diverse Karrieren und die Ehre von Madeleine zu zerstören.

Eine Weltmacht marschiert in ein anderes Land wegen dessen Bodenschätzen ein, Spekulanten verdienen Unsummen auf Kosten der Gesellschaft, zweifelhafte Verstrickungen von Geld und Politik, dazu Journalisten, die Meinung machen und so Politiker stützen und stürzen können – das alles wäre Stoff genug gewesen, die vielen Längen des Filmes zu füllen. Statt dessen konzentriert er sich voll und ganz auf Charles Duroy und dessen Affären. Robert Pattinson wird dieser Aufgabe nicht gerecht, zu unsicher wirkt er und manchmal regelrecht gehemmt. Uma Thurmans hölzerne Darbietung lässt ebenfalls zu wünschen übrig, während Kristin Scott Thomas’ Leistung einwandfrei ist. Christina Ricci ist wie immer nett anzusehen, ebenso die opulente Ausstattung und die Kostüme, aber leider ist der Film inhaltlich einfach zu dünn, um wirklich zu fesseln.

Der zugrunde liegende Roman von Guy de Maupassant über einen skrupellosen Emporkömmling und menschenverachtenden Opportunismus ist ein zeitloser Klassiker, ein Sittengemälde der Presse- und Finanzwelt und ihre undurchsichtigen Verflechtungen mit der hohen Politik. Hochaktuelle Themen, die sich ohne weiteres auf die heutige Zeit übertragen lassen. Schade, dass das nicht genutzt worden ist.

Foto © Studiocanal

 

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