Anfang der 1980er Jahre mischte eine Clique aufstrebender Jungschauspieler Hollywood auf, deren Mitglieder nicht nur beruflich miteinander zu tun hatten, sondern auch privat befreundet und teilweise untereinander liiert waren. Der Journalist David Blum nannte 1985 in seiner bissigen Titelgeschichte im “New York Magazine” die Gruppe aus Nachwuchs-Filmstars wenig schmeichelhaft “Brat Pack” (Brat = verwöhntes Gör), in Anlehnung an das berüchtigte “Rat Pack” aus den 60ern, einer Clique um Frank Sinatra, Sammy Davis jr. und Dean Martin. Blum skizzierte in seiner Story die neuen Hoffnungsträger Hollywoods als verzogene Rotzlöffel, denen zu viel Erfolg, Geld und Ruhm in kurzer Zeit zu Kopf gestiegen waren. Einige behaupteten später, dass dieser Artikel ihre Karriere zerstört oder zumindest ernsthaft beschädigt hat.
Die OutsiderDie Meinungen darüber, wer alles genau zu dem “Brat Pack” gehört hat, variieren, je nachdem, welche Kriterien angelegt werden. Einige Akteure haben sich dagegen gewehrt, zum “Brat Pack” gezählt zu werden (Andrew McCarthy), andere wollten liebend gern dazugehören, auch wenn sie es wahrscheinlich nicht taten (Tom Cruise). Im Laufe der Jahre hat sich ein harter Kern herauskristallisiert, andere Schauspieler (darunter John Cusack, Sean Penn, Robert Downey jr., James Spader, Mathew Broderick und Nicholas Cage) werden zum erweiterten Kreis gezählt. Ein wichtiges Merkmal ist, in einem oder mehreren der prägenden Coming-of-Age-Filme dieser Zeit mitgespielt zu haben, vor allem in “The Breakfast Club” und “St. Elmo’s Fire”. Millionen Teenager und junge Erwachsene konnten sich mit den Protagonisten dieser Filme identifizieren und die Darsteller wurden zu Idolen. Gleichzeitig bestimmten sie mit ihrem Privatleben die Schlagzeilen, wenn sie das Nachtleben von Hollywood unsicher machten und ein Leben führten, von denen ihre Fans träumten. Die Zukunft lag verheißungsvoll vor ihnen, aber nur für wenige haben sich die Erwartungen erfüllt. Was wurde aus den acht originalen “Brat Pack”-Mitgliedern?

Emilio Estevez
Von Blum in seinem Artikel als “Präsident des Brat Packs” bezeichnet, galt Estevez als Multitalent, das nicht nur schauspielern, sondern auch Drehbücher schreiben und Regie führen konnte. Der Sohn von Martin Sheen (echter Name: Ramón Antonio Gerardo Estévez) und Bruder des zum erweiterten Kreis des “Brat Packs” zählenden Charlie Sheen (echter Name: Carlos Irwin Estévez) leistete sich Anfang der 90er Jahre einige Fehlgriffe bei seiner Rollenauswahl, seither arbeitet er nur noch selten im Filmgeschäft. Sein letztes größeres Projekt war 2006 “Bobby”, bei dem Estevez neben seiner Filmrolle für Drehbuch und Regie verantwortlich war. Dieser Film lief allerdings auch nur mäßig erfolgreich. Vor einigen Jahren hat sich Emilio Estevez in Kalifornien ein Weingut zugelegt.

Demi Moore
Mit ihrer Rolle in St. Elmo’s Fire und der Beziehung zu Emilio Estevez gehörte sie ganz klar zum harten Kern des “Brat Packs” und ist eine der wenigen “Brat Packer”, die es bis auf Hollywoods A-Liste geschafft haben. Mit der Heirat von Bruce Willis wandte sie ihrer alten Clique den Rücken zu, ihrer Karriere hat es keinesfalls geschadet. Auf den Überraschungshit “Ghost – Nachricht von Sam” folgten Rollen in Filmen wie “Ein unmoralisches Angebot”, “Eine Frage der Ehre” oder “Enthüllung”. Mit einer Gage von 12,5 Millionen Dollar für “Striptease” stieg sie zur bis dato bestbezahlten Schauspielerin auf, allerdings geriet der Film zum finanziellen Flop. Andere Filme wie “Der scharlachrote Buchstabe” und “G.I. Jane” blieben ebenfalls hinter den Erwartungen zurück und so legte sie 1998 nach der Scheidung von Bruce Willis eine Pause vom Filmgeschäft ein. Ihr Comeback katapultierte sie zwar wieder in den Schlagzeilen des Boulevards ganz nach oben, auch wegen ihrer Ehe mit Ashton Kutcher, beruflich gelang es ihr aber nicht so recht, wieder Fuß zu fassen. In den letzten Jahren war sie hauptsächlich mit Independent-Projekten beschäftigt. Am Hungertuch nagen wird sie deswegen nicht, “Gimme Moore” hat genug verdient, um ein nettes Sümmchen auf der hohen Kante zu haben. Zusätzlich hat sie aber auch eine Scheidungsvereinbarung mit Bruce Willis, die ihr lebenslang jährlich ein Viertel seiner Einnahmen garantiert.

St. Elmo's Fire

St. Elmo’s Fire

Rob Lowe
Nicht nur aufgrund seines Aussehens war Rob Lowe einer der Nachwuchsschauspieler aus dem “Brat Pack”, denen eine großartige Karriere vorhergesagt wurde. Für den älteren Bruder von Chad Lowe (ebenfalls Schauspieler und Ex-Ehemann von Hilary Swank) ließ sich der Start ins Berufsleben mit Filmen wie “Die Outsider”, “Class”, “Hotel New Hampshire” und “St. Elmo’s Fire” sehr gut an, bis ihm eine andere Art von Filmen einen heftigen Karriereknick bescherte. 1988 wurden Videos von ihm veröffentlicht, die ihn beim Sex mit verschiedenen Personen zeigte, darunter ein 16 Jahre altes und damit minderjähriges Mädchen. Ein Skandal, auf dem heutzutage manche Leute ihre ganze Karriere aufbauen würden; damals war er ein echter Karrierekiller. Rob Lowe galt daraufhin in Hollywood als nicht mehr vermittelbar und die Filmangebote blieben aus. Erst 1999 mit seiner Rolle in der Fernsehserie “The West Wing” bekam er wieder eine größere Präsenz bei der breiten Öffentlichkeit. Es folgten langfristige Engagements in den Serien “Brothers & Sister” und “Parks und Recreation” sowie Gastauftritte wie in “Californication”.

Molly Ringwald
Für eine kurze Zeit war Molly Ringwald ein kulturelles Phänomen. Etwas jünger als der Rest des Brat Packs, zementierte vor allem ihre Rolle in “Pretty in Pink”, an ihrer Seite Andrew McCarthy und Jon Cryer, ihren Status als Teen Queen der Achtziger Jahre. Genau dieser Status gestaltete den Übergang zu erwachseneren Rollen als schwierig, dazu kam das “Brat Pack”-Label, das sich am Ende des Jahrzehnts eher als Bürde denn als Vorteil erwies. Sie galt als Muse von Regisseur John Hughes, zerstritt sich aber mit ihm. Bei ihrer Rollenauswahl hatte sie kein glückliches Händchen. Sie lehnte Filme wie “Pretty Woman”, “Ghost – Nachricht von Sam” und “Blue Velvet” ab, und entschied sich für Projekte, die durch die Bank floppten. Daraufhin kehrte sie Hollywood den Rücken und zog für einige Jahre nach Paris. Nach sehr vielen sehr kleinen Auftritten spielte sie zuletzt in der Serie “The Secret Life of the American Teenager” die Mutter der Hauptfiguren. Damit wurde aus der “Teen Queen” eine “Teen Mom”.

Anthony Michael Hall
Nach einer Reihe erfolgreicher Teenagerfilme wollte Anthony Michael Hall nicht mehr den Streber geben, änderte mit viel Krafttraining seine optische Erscheinung und wechselte auf die Seite der Bösewichter. Dazwischen legte er seine Karriere für zwei Jahre aufs Eis, um mit seinem Alkoholproblem fertig zu werden, anschließend konnte er nur schwer wieder im Filmgeschäft Fuß fassen. Mittlerweile hat er sich mit Rollen wie in “Dead Zone”, “Community” und “Warehouse 13″ als Seriendarsteller etabliert.

The Breakfast Club

The Breakfast Club

Ally Sheedy
Die Tochter einer New Yorker Literaturagentin schrieb schon im zarten Alter von 12 Jahren einen Bestseller. Trotz etlicher Angebote renommierter Magazine für Jobs als Buchkritikerin entschied sie sich gegen eine Karriere als Journalistin und Schriftstellerin und wechselte ins Schauspielfach. Dort lief es sehr gut für sie, bis die süße Traumfrau aus “War Games” und “St. Elmo’s Fire” mit Tablettensucht und Essstörungen zu kämpfen hatte. Ihre privaten Probleme spielten eine Rolle dabei, dass sie ihre Karriere nicht auf dem Niveau halten konnte, auf dem sie einst gewesen war. Ihre Vita besteht inzwischen aus einer langen Liste vieler kleiner Film- und Fernsehauftritte.

Judd Nelson
Bei Judd Nelson sieht es ähnlich aus: viele kleine Auftritte und kaum große Rollen, nachdem die Achtziger Jahre Geschichte waren. Zwei Nominierungen für die “Goldene Himbeere” waren der Karriere kaum förderlich, aber immerhin gab es auch eine Nominierung für den Golden Globe. Von einem langfristigen Engagement in der Sitcom “Suddenly Susan” mit Brooke Shields Mitte der Neunziger Jahre abgesehen, versank auch die Karriere von Judd Nelson nach den Erfolgen von “The Breakfast Club” und “St. Elmo’s Fire” in Beliebigkeit.

Andrew McCarthy
Er war auf die Rolle des schnuckeligen Herzensbrechers abonniert, aber auch er konnte seinen Erfolg nicht in die Neunziger Jahre retten. Zwar war er mit kleineren Rollen in Film und Fernsehen immer gut beschäftigt, aber die ganz großen Angebote blieben aus. Neben seinem Beruf als Schauspieler hat er sich eine zweite Karriere als Reiseschriftsteller aufgebaut. Andrew McCarthy gilt als originales “Brat Pack”-Mitglied, selbst behauptet er jedoch, nie dazugehört zu haben und seit dem Dreh von “St. Elmo’s Fire” seine Kollegen nicht mehr getroffen zu haben.

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