Man glaubt es kaum, aber es gab Zeiten, als der deutsche Film international führend war und weltweit gefeiert wurde. Vor allem die Zwanziger Jahre waren die goldene Zeit deutschen Filmschaffens. Stummfilme wie Ernst Lubitschs “Madame Dubarry” (1919) , Fritz Langs Zweiteiler “Die Nibelungen” (1922-24) oder F. W. Murnaus “Faust – eine deutsche Volkssage” (1926) liefen weltweit, ob in China oder in den USA, in ausverkauften Kinos.

Einige deutsche Stummfilme gelten nach wie vor stilistisch und inhaltlich als Meilensteine der Filmgeschichte und haben ganze Genres nicht nur begründet, sondern bis in die heutige Zeit geprägt.

Deutscher Stummfilm

5. Der Student von Prag (1913)

Die Filmgeschichte wurde nachhaltig beeinflusst vom deutschen Expressionismus, der in den Zwanziger Jahren in voller Blüte stand. Paul Wegener legte mit “Der Student von Prag” einen der Grundsteine für diese Stilrichtung und baute sie später mit der “Golem”-Trilogie weiter aus.

Der Einsatz von für die damalige Zeit bahnbrechenden Effekten wie der Doppelbelichtung zeigte erstmals das Potenzial auf, das im Medium Film steckte und was im Film im Unterschied zum Theater möglich war, wie z.B. das Auftreten eines Schauspielers in zwei Rollen in ein- und derselben Szene.

Deutscher Stummfilm

“Der Student von Prag”

4. Der letzte Mann (1924)

Der Film beginnt mit einer Kamerafahrt in einem Aufzug durch verschiedene Stockwerke eines Hotels hinein in die Lobby. Kameramann Karl Freund hatte dazu die Kamera auf ein Fahrrad gesetzt und damit auch neue Maßstäbe in der Kameratechnik gesetzt. War die Kameraarbeit bis dahin eher statisch, wurden die Kamerafahrten und auch die neuartigen Blickwinkel schnell in anderen Filmen nachgeahmt.

Regie führte bei “Der letzte Mann” F. W. Murnau und die Hauptrolle spielte Emil Jannings, der als erster Schauspieler überhaupt 1929 den Oscar als bester Hauptdarsteller bekam.

Deutscher Stummfilm

Kreative Kameraarbeit

3. Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922)

Nosferatu ist der erste Vampirfilm überhaupt und gilt als einer der ersten Horrorfilme. Obwohl etliche Änderungen vorgenommen wurden (der Film ist dafür verantwortlich, dass Vampire durch Sonnenlicht sterben), basierte “Nosferatu” weitgehend und ohne Erlaubnis auf Bram Stokers Roman “Dracula”. Es kam zu einem Urheberrechtsstreit mit der Folge, dass nach dem Willen von Stokers Witwe sämtliche Kopien vernichtet werden sollten. Einige überlebten – zum Glück, denn das Genre wird bis heute von “Nosferatu” beeinflusst.

Vor allem der Einsatz von Schatten und Silhouetten ist einzigartig. Regisseur F. W. Murnau unterstrich damit die Darstellung von Max Schreck, gegen den die Twilight-Glitzerer die rosa Pudel unter den Vampiren sind.

Deutscher Stummfilm

Unheimliche Schatten

2. Das Kabinett des Dr. Caligari (1920)

Der Film, der den deutschen Expressionismus definierte. Kein Stummfilm hat die Art und Weise, wie Filme heute gemacht werden, mehr beeinflusst. Wie der Film mit dem Publikum spielt und es im Unklaren darüber lässt, ob die Geschichte Realität oder Wahnvorstellung ist. Die überraschende Wendung am Ende, ein neuartiges Stilmittel zu dieser Zeit. Die asymmetrischen, bizarren Bühnenbilder, die für eine verstörende, alptraumhafte Atmosphäre sorgen.

Unzählige Filme wurden vom “Kabinett des Dr. Caligari” geprägt und würde Tim Burton ein Remake machen, käme am Ende wahrscheinlich wieder das Original bei raus. Ein Meisterwerk.

Deutscher Stummfilm

Verzerrte Wahrnehmung

1. Metropolis (1927)

Einer der letzten Filme des deutschen Expressionismus, aber der erste moderne Science Fiction Film. Nachfolgende SF-Filme von Star Wars bis Blade Runner sind von “Metropolis” beeinflusst worden. Supermans Heimatstadt wurde nach dem Film benannt.

Extrem aufwändig gefilmt mit mehr als 37.000 Statisten und mit 5 Millionen Mark der teuerste Stummfilm aller Zeiten.

 

Deutscher Stummfilm

Mensch gegen Maschine

Das futuristische Design ist selbst nach Jahrzehnten noch innovativ und mit dem Thema Klassenkampf in einer sich selbst zerstörenden Gesellschaft ist “Metropolis” inhaltlich aktuell wie eh und je.

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